Hin und zurück
Nach den Herbstferien war alles anders. Neue Wohnung, neue Nachbarn, neuer Arbeitsweg. «Das war sehr speziell», erinnert sich Jasmin Steck. «Ich packte in Horw alles in Kisten und machte zwei Wochen Ferien bei meiner Mutter in Malters. Danach fuhren wir direkt in die neue Wohnung.» Das machte sie ganz «chribelig», «denn ich wusste nicht, was mich erwartet und wie es kommt». Heute weiss sie: Es ist gut gekommen, sehr gut sogar.
Bis im Herbst 2025 lebte Jasmin Steck in einer Zweier-WG im Wohnhaus Stöckli. Sie teilte sich Wohnzimmer und Bad mit einer Mitbewohnerin. Was sie am über 50-jährigen Gebäude am meisten störte, war die Ringhörigkeit. «Man hörte alles durch die Wände – Gespräche, die WC-Spülung oder wenn etwas auf den Boden fiel.» Trotzdem: Es war ihr vertrautes Zuhause. Daher hatte sie anfänglich Mühe mit dem Gedanken an einen Umzug. Doch er wurde nötig, weil das in die Jahre gekommene Wohnhaus Stöckli durch einen modernen Neubau ersetzt wird. Das neue Gebäude ist auf die Bedürfnisse der Bewohner:innen ausgerichtet. Barrierefreie Zugänge, individuelle Einzelzimmer und flexible Wohnformen schaffen mehr Selbstbestimmung und Privatsphäre. Unterschiedliche Betreuungsangebote ermöglichen es, passgenau auf verschiedene Lebenssituationen einzugehen. Eine begrünte Piazza mit Spielmöglichkeiten öffnet das Haus zum Quartier hin und schafft Raum für Begegnungen. Voraussichtlich Ende 2028 ist der Neubau bezugsbereit und die Bewohnenden können wieder zurückzügeln.
Bis es so weit ist, lebt der grösste Teil der Stöckli-Bewohnenden in einem Neubau in der Grünmatt in Emmen direkt an der Reuss. Die grossen Mehrfamilienhäuser umgeben von viel Natur sind genau nach dem Geschmack von Jasmin Steck: «Hier hat es viel Leben. Das mag ich.» Was sie auch mag: den Neubau. «Ich habe noch nie in einem Neubau gewohnt und finde es toll. Man hört nichts von den Nachbarn, die grossen Fenster machen die Wohnung sehr hell und die Storen funktionieren elektrisch.» Sie lebt nun in einer eigenen 2-Zimmer-Wohnung mit offener Küche, Bad und Loggia. Auf demselben Stock befindet sich die «Hauptwohnung» von Brändi, wo unter anderem für sie das Abendessen gekocht wird. «Ich schätze es sehr, dass ich nun eine eigene Wohnung habe, in die ich mich zurückziehen kann. Die meiste Zeit verbringe ich in meinem Schlafzimmer.» Das sieht man. Es herrscht eine gemütliche Unordnung. Das Wohnzimmer nutzt sie vor allem zum Essen, Puzzeln oder Plaudern mit Freunden.
So zu leben und in Emmen zu wohnen, war eine grosse Umstellung für Jasmin Steck. Sie bevorzugt Kontinuität, Gewohntes, Vertrautes. «Mittlerweile habe ich mich aber gut eingelebt. Das Ankommen hat aber einige Monate gedauert», sagt die 29-Jährige. Das hat auch mit dem Arbeitsweg zu tun. In Horw war Wohnen und Arbeiten wenige Meter voneinander entfernt. Von ihrem aktuellen Wohnort in die Produktion Horw sind es rund neun Kilometer. «Mit dem öffentlichen Verkehr dauert mir das zu lange und ich muss zwei Mal umsteigen. Daher entschied ich mich fürs Velo.» So fährt Jasmin Steck täglich mit ihrem E-Bike zur Arbeit. 30 Minuten hin, 30 Minuten zurück, bei Sonne, Nebel und eisigen Temperaturen. Nur bei starkem Regen oder Schnee nutzt sie Bus und Zug. «Am Anfang war das eine Herausforderung, heute geniesse ich die Zeit auf dem Velo.» Das ist eine beeindruckende Leistung.
Es unterstreicht ihren starken Willen, sich weiterzuentwickeln und selbstbestimmt zu leben, am liebsten in einer eigenen Wohnung, möglichst ohne Unterstützung. Daher besucht sie seit letztem Sommer die Wohnschule von Brändi, voraussichtlich noch bis im Sommer 2027. Danach wird sich zeigen, ob sie bereit für diesen Schritt ist. Die Zeichen stehen gut. «Es fühlt sich gut an, allein zu wohnen, ich putzte auch alles und koche manchmal selbst.» Ob Jasmin Steck also von Emmen zurück nach Horw zieht und dereinst im Neubau Wohnen Stöckli leben wird, ist offen. Aus dem Hin und Zurück könnte für sie ein Vorwärts werden.