Gesucht und gefunden
Neben dem Kloster Baldegg, einem Lama-Gehege und dem kleinen Baldeggersee liegt die Klostergärtnerei von Brändi. Hier ist – mitten in den Sträuchern – Dominic Denoth gerade dabei, Chili zu ernten. Die Erntezeit ist seine liebste Zeit. Genauso wie der Frühling, wenn alles zu blühen beginnt, aber die Temperaturen noch nicht wirklich hochklettern.
Hier arbeitet Dominic Denoth nun in dem Job, den er eigentlich bereits als Jugendlicher ausüben wollte. Damals jedoch machten ihm all die Insekten einen Strich durch die Rechnung, sie machten ihm Angst, machten ihn nervös. Und so begann für den Luzerner ein Weg mit verschiedenen beruflichen Stationen und vielen Erfahrungen. Mehrfach hat der 29-Jährige in den letzten zehn Jahren neue Anstellungen ausprobiert, bei diversen Institutionen gewohnt und geschnuppert – um am Ende dort zu landen, wo er seit seiner Jugend eigentlich hinwollte: in der Klostergärtnerei – und einer WG bei Traversa Sonnenbühl in Vorbereitung auf den eigenen Haushalt.
Mehr als bloss Beschäftigung
In Littau aufgewachsen, machte Denoth seine Vorlehre bei Brändi als Mechanikpraktiker. Es folgte das eidgenössische Berufsattest, das er in Zürich abschloss, und während seiner anschliessenden Anstellung in der Montage bei Brändi absolvierte er intern auch gleich die Wohnschule und das Wohntraining. In den kommenden Jahren arbeitete er kurzzeitig als Velokurier, in der Produktion und in der Montage. Er wohnte in einem betreuten Wohnprojekt in Zürich, bei Brändi und Traversa. Er schnupperte bei der Wärchbrogg, arbeitete kurzzeitig bei der Stiftung Altried. Immer wieder boten sich ihm Optionen, sich auszuprobieren.
«Ich glaube, es war wichtig für mich, diese verschiedenen Berufe zu testen, auch wenn ich rückblickend bei gewissen Dingen vorausschauend mehr auf meinen Bauch hätte hören dürfen», sagt Denoth heute. Er habe überall etwas gelernt – auch über sich. Besonders, dass es wichtig ist, genau hinzuschauen, bei sich und am Ort, wo man arbeiten möchte. «Ich will nicht nur beschäftigt sein. Ich will vorwärtskommen», sagt Denoth. Diese Herausforderung habe er hier in der Klostergärtnerei wiedergefunden. «Der Job in Baldegg war für mich ein Wendepunkt », sagt er. «Ich habe gemerkt, dass ich mehr auf mich selbst hören muss und dass ich selbst für meinen Weg und meine Entscheidungen verantwortlich bin.»
Inspiriert und engagiert
Gemeinsam mit seiner Freundin ist Dominic Denoth privat viel unterwegs: Regelmässig erkunden die beiden mit dem Zug Städte in der ganzen Schweiz. Gerne kocht er auch und probiert dabei Neues. Sein Risotto und sein Gulasch seien nicht schlecht und endlich habe er letztens eine gute Béchamel hinbekommen. «Ich merke auch, wie ich durch meine Arbeit hier viel mehr mit verschiedenem Gemüse kochen will. Die Arbeit inspiriert mich.» Dominic Denoth hat eine positive Ausstrahlung, zwischen Schalk und ruhigem Selbstvertrauen. Innendrin jedoch kennt er es auch anders. Wegen Angststörungen hat er mehrere Klinikaufenthalte hinter sich – besonders in der Jugend. Ein Ziel von Dominic Denoth ist es deshalb auch, in einigen Jahren eine weitere Zusatzausbildung bei Brändi zu machen. Mit der «Peer-to-Peer»-Coaching-Ausbildung will er später Menschen mit psychischen Schwierigkeiten als Selbstbetroffener unterstützen. «Aber erst mal will ich hier noch viel lernen und eine gute Basis schaffen für meine Zukunft in der Arbeit und im Wohnen.» Er wolle anderen aufzeigen, dass es kein Versagen sei, sich an etwas zu versuchen und dann vielleicht zu erkennen, dass es nicht das Richtige sei. «Man muss mutig sein und selbst Veränderungen anstossen – dann findet man auch das Richtige.»
Drei Fragen
Was gefällt dir an deinem Job bei der Klostergärtnerei Baldegg am besten?
Ich finde es toll, so viel draussen zu sein und dabei die Jahreszeiten wirklich zu spüren und mit ihnen zu arbeiten. Auch wenn dieser Sommer ziemlich heftig war – besonders in den Gewächshäusern. Aber ich merke auch, dass ich viel fitter geworden bin durch die Arbeit hier.
Was ist dir wichtig, damit ein Arbeitsort für dich stimmt?
Ganz zuerst muss es im Team passen. Ich möchte eine angenehme und freundschaftliche Arbeitsatmosphäre. Und eine abwechslungsreiche Arbeit. Ich mag es, dass wir viele verschiedene Aufgaben ausführen – und dass wir Früchte und Gemüse ernten können, die wir selbst gesät haben.
Was ist das Besondere an deinem Arbeitsplatz?
Ein Pluspunkt ist auf jeden Fall der Ort. Es ist eine so einzigartige Umgebung – sie hat etwas Spirituelles und gibt mir Kraft und Ruhe.