Selbständiger leben lernen

 
 
 

Für Daniel Lütolf war immer klar: Irgendwann lebt er in einer eigenen Wohnung. Eine wichtige Station auf seinem Weg war die Wohnschule der Stiftung Brändi. Sie brachte – wortwörtlich – Ordnung in sein Leben.

 
 

Noch ist es nicht die Traumwohnung, aber es ist seine Wohnung. Sein eigenes kleines Reich. Eine 2,5-Zimmer-Wohnung in Emmenbrücke, ruhig und bezahlbar. «Ich sagte schon als Kind, dass ich mal alleine wohnen will», erinnert sich Daniel Lütolf, ohne sich erklären zu können, woher genau dieser Wunsch kam. Aber er war da – und gleichzeitig viele Zweifel. «Ich dachte oft, dass es nie so weit kommt.» Sein Wille war stärker. Im letzten Jahr bezog Daniel Lütolf seine erste eigene Wohnung und sagt rückblickend: «Dieser Schritt ging sehr gut.»


Auf dem Weg zu seinem Ziel hätte er gerne die eine oder andere Abkürzung genommen. Doch selbständig leben will gelernt sein. Was es dazu braucht, lernte der 32-Jährige unter anderem in der Wohnschule der Stiftung Brändi. «Der Wunsch nach mehr Selbständigkeit ist bei vielen Menschen mit einer Beeinträchtigung gross», sagt Simon Albrecht, Leiter der Wohnschule. «Wir bieten Unterstützung, damit sie selbständiger leben können.» Die eigene Wohnung kann, muss aber nicht das Ziel sein. Selbständiger Leben hat viele Schattierungen. «Rund ein Drittel der Absolventen kann danach wirklich in eine selbständigere Wohnform wechseln. Aber alle erhöhen in der Wohnschule ihr Selbstwertgefühl und trauen sich danach mehr zu. Sie sind stolz, eine Weiterbildung absolviert zu haben.»


Die Wohnschule dauert zwei Jahre. Die Teilnehmenden haben jede Woche einen halben Tag Unterricht und einen halben Tag Training. Dabei lernen sie nicht nur, wie man einen Haushalt führt, sondern erweitern ihre Kompetenzen in vielen Lebensbereichen. Sie lernen den Umgang mit digitalen Medien, unterhalten sich über Beziehung und Sexualität oder machen sich Gedanken zur Freizeitgestaltung, zu Gesundheit und Ernährung.

 

 
 

Daniel Lütolf startete die Wohnschule 2012 und gibt offen zu: «Viele Module machten mir Mühe und über gewisse Themen wollte ich nicht reden.» Die klassischen Arbeiten im Haushalt kannte er bereits vom Elternhaus. Mit Putzen und Staubsaugen verdiente er sich einen zusätzlichen Batzen. In der Wohnschule lernte er vor allem drei Dinge: Wäsche waschen, freundlich sein und – Ordnung halten. «Früher wühlte ich in Mulden und kaufte Dinge auf dem Flohmarkt, die ich gar nicht brauchte. Das Zimmer sah meistens schlimm aus», gesteht Daniel Lütolf. Dies war damals auch Simon Albrecht aufgefallen: «Ich erinnere mich gut an Daniel. Er war sehr begeisterungsfähig und hatte viele Fragen, aber eben auch eine chaotische Seite. Die Frage war: Schafft er es, Ordnung zu halten?» Ja, hat er. Das bestätigen alle in seinem Umfeld. Seit der Wohnschule ist Daniel Lütolf ordentlicher und es wird wöchentlich besser. Dabei helfen ihm sein Betreuer, der einmal pro Woche vorbeikommt, und sein «Auftragsbuch». Darin notiert Daniel Lütolf, wo er sich verbessern kann und woran er denken muss.

 

Der Weg in die Selbständigkeit gelang Schritt für Schritt. Während der Wohnschule lebte Daniel Lütolf in einer Wohngemeinschaft in Hochdorf. Nach dem Abschluss 2014 blieb er weiterhin bei der Stiftung Brändi wohnen, wechselte in eine WG in Horw und schliesslich in ein 1-Zimmer-Studio. Heute lebt er selbständiger denn je. Simon Albrecht erstaunt das nicht: «Er sagte immer wieder: Ich will das. Seine Motivation, sein Wille und seine Ausdauer brachten ihn schliesslich an sein Ziel.» Für Daniel Lütolf ist es ein Etappenziel, denn er träumt von einer Wohnung in Kriens, weil seine Freunde in der Region Kriens-Luzern leben. Später möchte er wieder dort wohnen, wo er aufgewachsen ist: im beschaulichen Dorf Winikon, einem Gemeindeteil von Triengen. Aber auch dann ist für ihn klar: «Es wird eine eigene Wohnung sein. Zurück in eine WG kann ich mir nicht vorstellen.» <

Hier erfahren Sie mehr über unsere Wohnschule

Von Manuel Huber, Bild: Fotosolar

 
 

Wohnschule öffnet sich
Anfänglich richtete sich die Wohnschule an Menschen mit einer Beeinträchtigung, die in einem Angebot der Stiftung Brändi wohnen. Heute können auch Personen die Wohnschule absolvieren, die zwar bei der Stiftung Brändi arbeiten, aber noch zu Hause leben. Ab August sind auch Menschen mit einer Beeinträchtigung in der Wohnschule willkommen, die weder bei der Stiftung Brändi wohnen noch arbeiten.

Mehr Infos gibts unter: 
braendi.ch/wohnschule oder im Video auf unserem Youtube-Kanal