«Wohnen 2023» – ein Projekt mit Weitsicht

 
 
 

Die Qualität der Arbeit verbessern. Darum geht es im Kern beim Projekt «Wohnen 2023» der Stiftung Brändi. Vier Teilprojekte liefern Antworten auf Veränderungen und rüsten unsere Wohnangebote für die Zukunft.

 
 

Anstoss für das Projekt «Wohnen 2023» gaben Veränderungen in und um die Stiftung Brändi, auf die wir in den nächsten Jahren Antworten parat haben müssen. So beschäftigt uns beispielsweise die Altersstruktur unserer Bewohnenden: rund 50 % sind über 50 Jahre alt. Ausserdem stellen wir fest, dass Intensivplätze für Personen mit eher leichter kognitiver Beeinträchtigung und stark herausfordernden Verhaltensweisen immer stärker gefragt sind. Politisch fordert man vermehrt ambulante Wohnformen für Menschen mit Beeinträchtigung.

In der Stiftung Brändi pflegen wir eine sehr tragfähige und von gegenseitigem Respekt geprägte Kultur. Viele sind seit Jahrzehnten dabei, wir befinden uns mitten in einem Generationenwechsel. Wie bleiben wir eine attraktive Arbeitgeberin, die ihrem Personal Raum und Hand zur Weiterentwicklung bietet? Weiter beschäftigt uns, wo und wie wir Synergien nutzen und uns gemeinsam weiterentwickeln. Mit vier Teilprojekten begegnen wir diesen Herausforderungen. Im Kern geht es immer darum, die Qualität unserer Arbeit zu verbessern.

Neben dem Teilprojekt «Agogische Konzepte» (siehe separater Bericht) liegt ein Schwerpunkt auf der Angebotspalette: Die Teams der Intensivwohngruppen in Horw und Willisau werden künftig mehr Klientinnen und Klienten betreuen als bisher und gleichzeitig vermehrt andere Teams, Angehörige und Bewohnende der Stiftung Brändi beraten. Beim Konzept dazu unterstützt uns die Hochschule Luzern. Bis Jahresende überarbeiten wir die Angebotskonzepte für «Wohnen im Alter», «Tagesstruktur Wohnen» und «Wohnen mit Assistenz». Um unser Wohnangebot durchlässiger und flexibler zu gestalten, berät uns die Fachhochschule Nordwestschweiz bei der Neuorganisation unseres Zuweisungsmanagements (Intake).

Der Raumbedarf steht im Zentrum eines weiteren Teilprojektes. Bereits mehrere Wohngruppen zogen in neue Räumlichkeiten, wobei wir die Möblierungen mit professioneller Beratung realisierten. In den nächsten Jahren stehen die Planung des Ersatzneubaus für das Wohnhaus Stöckli und ein Umzug der Wohngruppe Neudorf an. Im vierten Teilprojekt Administration tauscht sich unser Personal regelmässig aus und vereinfacht laufend die administrativen Abläufe.

Parallel dazu entwickeln wir die Führungsstrukturen im Wohnbereich weiter. Projektgruppen leiten und bearbeiten die erwähnten Teilprojekte. Die Verantwortung wird damit breiter verteilt und ermöglicht dem Fachpersonal, sich mehr einzubringen. Bisherige Erfahrungen mit diesem verstärkten Einbezug waren durchwegs positiv. Bei dieser Gelegenheit danke ich den über 30 Fachpersonen, die bisher an dieser Entwicklung mitgearbeitet haben. <

Von Rebekka Röllin, Leiterin Bereich Wohnen
Bilder: Fotosolar

 

 
 

 
 
 

Teilprojekt «Agogische Konzepte»

 
 

Die Qualität der Arbeit verbessern. Darum geht es im Kern beim Projekt «Wohnen 2023» der Stiftung Brändi. Vier Teilprojekte liefern Antworten auf Veränderungen und rüsten unsere Wohnangebote für die Zukunft.

 
 

1 Agogische Grundhaltungen der Stiftung Brändi wurden erarbeitet sowie einfach und übersichtlich dargestellt. Die UN-Behindertenrechtskonvention (UNBRK) stellt im Kern die Forderung nach einer gleichberechtigten Teilnahme und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung an normalisierten Lebensbereichen. Basierend auf der UNBRK und der Inklusion als Leitgedanke und Zielperspektive zugleich wird in den Grundhaltungen unser Menschenbild definiert. Wir sehen den Menschen als bio-psycho-soziales Wesen, beeinflusst durch komplexe Wechselwirkungen zwischen Person und Umwelt. Wir verstehen Behinderung als Folge des Zusammenspiels aller Faktoren. Unser agogischer Auftrag lässt sich aus diesen Grundhaltungen ableiten: Wir unterstützen alle Menschen in der Stiftung Brändi dabei, eine möglichst grosse Selbstbestimmung, hohe Autonomie und kompetente Teilhabe in den verschiedenen Lebensbereichen zu erlangen.

Ein «Agogik-Filter» ist erarbeitet und dient künftig zur Reflexion im agogischen Alltag. Der Agogik-Filter (vgl. Bild) leitet sich aus dem Modell der funktionalen Gesundheit ab. Die drei Leitfragen beziehen sich auf die zu fokussierenden Bereiche der funktionalen Gesundheit, mit der Zielsetzung der vielfältigen und kompetenten Teilhabe der Menschen, die wir in der Stiftung Brändi begleiten. Der «AgogikFilter» ist ein Hilfsmittel für Entscheidungen, die sich uns im Betreuungsalltag stellen.

3 Die Strukturen und die Zuständigkeiten im Bereich Agogik sind zukunftsgerichtet angepasst: Pro Wohnunternehmen ist eine verantwortliche Person für die Unternehmens-Agogik installiert. Diese Personen bilden künftig gemeinsam die Fachgruppe Agogik auf Stiftungsebene. So werden wir künftige Entwicklungen im Bereich Agogik vernetzt angehen, im agogischen Bereich gemeinsame Grundhaltungen vertreten und eine gemeinsame Sprache sprechen, Ressourcen bündeln und die vielfältige Teilhabe auch bei der Erarbeitung neuer agogischer Konzepte auf Personalebene leben. <

Von Fabian Müller, Abteilungsleiter Wohnen Intensiv Willisau & Leiter
Fachgruppe Agogik