Wohnangebote der Zukunft: integrativ und individuell

 
 
 

Die Individualisierung hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Diese Entwicklung macht zum Glück auch vor Menschen mit Beeinträchtigung nicht Halt. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hat sich die Schweiz zur Inklusion und Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigung in der Gesellschaft bekannt. Auch die Stiftung Brändi setzt sich dafür ein.

 
 

Sehr schnell ist mir aufgefallen, dass in der Stiftung Brändi viel dafür getan wird, dass auch unsere Mitarbeitenden und Bewohnenden sich einbringen, ihre Bedürfnisse äussern und ihre Stimme Gewicht hat. Klientinnen und Klienten übernehmen im Rahmen ihrer Freizeitaktivitäten in den Wohnhäusern Verantwortung. So werden neben dem Präsidium auch Anlässe, Proben und weitere «Ämtli» der Guuggenmusig Mönschterguugger im Wohnhaus Sursee von Menschen mit Behinderung wahrgenommen. Betreuungspersonal aus dem Wohnhaus Horw hat Workshops für die Bewohnerinnen und Bewohner zur UN-BRK entwickelt. Diese sensibilisieren sie für ihre Rechte und das Thema Selbstbestimmung. Das fordert ein Umdenken auf allen Seiten. Es wird nicht mehr nur «für» die Bewohnenden und Mitarbeitenden gearbeitet, sondern mit ihnen gemeinsam.

Individuelle Intensität der Begleitung 
Die gesellschaftliche Entwicklung hat auch auf unsere Wohnangebote Auswirkungen: Die Nachfrage nach möglichst selbstbestimmten Wohnformen steigt. Nicht alle Menschen mit einer kognitiven oder psychischen Beeinträchtigung sind in der Lage, selbständig zu wohnen. Unsere Wohnhäuser wird es nach wie vor brauchen. Diejenigen, die selbständig leben können, begleiten wir auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. 

 

Zum Beispiel mit unserer Wohnschule, unserem Wohntraining oder indem wir verschiedene Wohnmöglichkeiten mit unterschiedlichen Betreuungsgraden anbieten. Was viele nicht wissen: Das Spektrum von Wohnangeboten der Stiftung Brändi reicht bereits heute vom Wohnen mit 24-Stunden-Betreuung bis hin zum selbständigen Wohnen mit punktueller Assistenz. Dies gilt es auch in Zukunft aufrechtzuerhalten. Wichtig erscheinen mir hier echte Wahlmöglichkeiten – auch Menschen ohne Beeinträchtigung wohnen nicht alle gleich.

Steigende Nachfrage nach integrativen Wohnmöglichkeiten 
Was sich verändert hat, ist das gestiegene Bedürfnis nach den eigenen vier Wänden. Menschen mit Beeinträchtigung möchten zunehmend im eigenen Studio wohnen, möglichst mit eigener Nasszelle. In diesem Bereich wollen wir in den kommenden Jahren weitere Angebote schaffen. Wir betreuen zunehmend junge Erwachsene, die integrativ geschult worden sind. Entsprechend wird in Zukunft der Bedarf an integrativen Wohnmöglichkeiten steigen. Da gibt es in der Schweiz noch einen enormen Entwicklungsbedarf. Wir nehmen diese Herausforderung an und bieten Hand! <

Bild: Fotosolar

 
 

 

Rebekka Röllin leitet seit Oktober 2019 den Bereich Wohnen in der Stiftung Brändi. Sie studierte Kinder- und Jugendpsychologie an der Universität Bern. Nach mehrjähriger Arbeit als Sozialpädagogin im Therapieheim Sonnenblick in Kastanienbaum war sie lange und in verschiedenen Positionen bei Akzent Prävention und Suchttherapie tätig. Später übernahm sie die organisatorische Leitung medizinischer Zentren in der Hirslanden Klinik St. Anna.