Von Präsident zu Präsident

 
 
 

Mit Wehmut und Stolz, aber auch mit Respekt und Kontinuität ist der Wechsel an der Spitze der Stiftung Brändi verbunden. Ein Gespräch mit dem bisherigen Stiftungsratspräsidenten Otto Wyss und seinem Nachfolger Markus Theiler.

 
 

Otto Wyss, was hat Sie 2008 motiviert, das Präsidium zu übernehmen?
Otto Wyss: Ich stand damals kurz vor der Pensionierung. Damit wurden Ressourcen frei. Ich wurde bereits einige Jahre zuvor für das Amt angefragt, musste aber aus Zeitgründen absagen.

Kurz nach Ihrem Amtsantritt kam die Finanzkrise, später der Franken-Schock. Was hiess das für Ihre Arbeit und die Stiftung Brändi?
Otto Wyss: Es zeigte sich, dass die Stiftung Brändi auf Veränderungen am Markt schnell reagieren kann und flexibel ist. Aber beim Franken-Schock verging natürlich kein Tag, bis sich Kunden meldeten und sagten: Wir brauchen einen anderen Preis. Insgesamt konnten wir diese Phasen aber sehr gut meistern.

Was hat Sie sonst noch gefordert?
Otto Wyss: Die Sparrunden des Kantons waren immer eine grosse Herausforderung. Ich vertrat stets die Haltung: Wir müssen nicht so sehr darauf achten, gute Ergebnisse zu erzielen. Viel wichtiger ist es, dass wir unsere Leute so betreuen können, wie es notwendig ist. Gegen Änderungen am Personalschlüssel hätte ich mich entschieden gewehrt.

Welche Entwicklung hat Sie gefreut?
Otto Wyss: In der Gesellschaft hat das Verständnis für Menschen mit Behinderung stark zugenommen. Sie sind besser akzeptiert und integriert als noch vor Jahren.
Ich bin überzeugt, dass auch die Stiftung Brändi wesentlich dazu beigetragen hat.

 

Wechsel im Sinne der Kontinuität: Otto Wyss (links) im Gespräch mit Markus Theiler (rechts).

 

 
 

Was beeindruckt Sie am meisten an der Stiftung Brändi?
Otto Wyss: Wie sorgfältig das Personal mit den Menschen bei der Stiftung Brändi umgeht. Sie nehmen die Menschen ernst und bringen ihnen grosse Wertschätzung entgegen.

Markus Theiler: Mich beeindruckt insbesondere die hohe Identifikation von Personal und Mitarbeitenden mit der Stiftung Brändi. Weiter finde ich bemerkenswert, wie der Spagat zwischen sozialem Engagement und Wirtschaftlichkeit gelingt und wie sich die Stiftung Brändi dem Wandel anpasst.

Was motiviert Sie, nach zwei Jahren im Stiftungsrat das Präsidium zu übernehmen?
Markus Theiler: Es reizt mich, die Stiftung Brändi weiterzuentwickeln. Die letzten Jahre waren anspruchsvoll. Auch die Zukunft wird es sein. Ich möchte einen Beitrag leisten, damit die Stiftung Brändi erfolgreich in die Zukunft geführt werden kann.

Wo sehen Sie die aktuellen Herausforderungen?
Markus Theiler: Dazu gehören die Finanzierung der Stiftung Brändi und die veränderten Wohnbedürfnisse von Menschen mit Behinderung, ebenso das wirtschaftliche Umfeld mit den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Es stellt sich die Frage, ob wir noch die richtigen Arbeiten finden, die von Menschen mit Behinderung ausgeführt werden können.

Wie optimistisch blicken Sie denn in die Zukunft?
Markus Theiler: Sehr optimistisch. Ich bin überzeugt, dass wir für jede Herausforderung eine Lösung finden. Dafür muss die Bereitschaft da sein, gemeinsam auf den Weg zu gehen. Gleichzeitig müssen unsere Partner mitziehen. Ich bin positiv gestimmt, dass uns das gelingt.

 

Was ändert sich durch den Wechsel im Präsidium?
Otto Wyss: Es gibt keine Notwendigkeit für grosse Veränderungen. Zudem kommt mit Markus Theiler ein Präsident, der ähnliche Vorstellungen von der Führung eines Unternehmens hat, wie ich das habe. Insofern ist der Wechsel eher Ausdruck von Kontinuität.

Markus Theiler: Das beurteile ich genauso. Die Stiftung Brändi ist sensationell geführt. Es wird selbstverständlich Weiterentwicklungen geben, aber keine grossen Veränderungen.

Otto Wyss, weshalb geben Sie das Präsidium ab?
Otto Wyss: Ich bin 74-jährig und habe ein Alter erreicht, in dem es Zeit ist, das Amt abzugeben. Für die Stiftung Brändi ist es eine Chance, dass ein neuer Präsident kommt.

Welche Gefühle sind mit der Stabsübergabe verbunden?
Otto Wyss: Vor allem Wehmut. Es war eine der schönsten Aufgaben, die ich im Leben machen durfte. Da geht man natürlich nicht gerne.
Markus Theiler: Das spürt man. Wir lassen ihn nicht gerne gehen. Dennoch braucht es solche Wechsel.
Otto Wyss: Ich glaube, dass man gehen muss, solange die Menschen den Weggang bedauern. Viele verpassen diesen Zeitpunkt.
Markus Theiler: Ich verspüre grosse Freude und Stolz, aber auch Respekt vor der neuen Aufgabe. Ein so gut geführtes Unternehmen auf demselben Niveau weiterzu-
führen, ist anspruchsvoll. <

Von Manuel Huber, Bilder: Fotosolar

 
 

«Es war eine der schönsten Aufgaben, die ich im Leben machen durfte. Da geht man natürlich nicht gerne.»

 

Markus Theiler ist Geschäftsführer der Jörg Lienert AG. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und wohnhaft in Kastanienbaum.