Vertrauen verbindet

 
 
 

Wenn Menschen mit einer Beeinträchtigung den Hausarzt besuchen oder in ein Pflegeheim wechseln, sind Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt. Die starke lokale Verankerung der Stiftung Brändi hilft, bekannte
und neue Türen aufzustossen.

 
 

Zum Beispiel die Tür der Hausarztpraxis von Dr. med. Manfred Wicki in Willisau. Seit dem Start vor über 25 Jahren behandelt er Menschen mit einer Beeinträchtigung. «Das ist eine sehr schöne Erfahrung, aber auch eine Herausforderung», sagt Dr. Wicki. «Wir müssen uns genug Zeit einschreiben, gezielt zuhören und ein Gespür dafür haben, wo der Schuh drückt.» Oft sei es für die Patientinnen und Patienten der
Stiftung Brändi schwierig, ihre Symptome zu beschreiben. Das macht es für den Hausarzt wiederum nicht einfach, eine Diagnose zu stellen. «Umso schöner ist es jeweils, wenn ich die Angst nehmen und helfen kann.» Bei seinen Patientinnen und Patienten mit einer Beeinträchtigung spürt Dr. Wicki immer grosse Dankbarkeit, und das Vertrauensverhältnis sei stärker als sonst bei Patienten.

Solche langjährigen Partner wie Dr. Wicki in Willisau, der mit viel Feingefühl und ohne Stoppuhr arbeitet, hat die Stiftung Brändi im ganzen Kanton Luzern, von Sursee über
Hochdorf bis Horw. Hier verfügt die Stiftung Brändi unter anderem über zwei Wohnhäuser: Das Wohnhaus Horw für Wohnen mit Betreuung und Begleitung und das Wohnhaus Stöckli für Wohnen im Alter. «Wir sind auf Partner angewiesen, da uns Grenzen gesetzt sind», erklärt David Muff, Leiter Wohnhaus Stöckli. «Beispielsweise können wir jemanden pflegen, etwa nach einem Unfall. Aber wenn eine ältere Person dauerhaft Pflege braucht, ist ein spezifisches Angebot notwendig.» David Muff und sein Team sind im ständigen Austausch mit anderen Institutionen, etwa dem Blinden-Fürsorge-Verein Innerschweiz BFVI, der direkt neben der Stiftung Brändi in Horw ein Pflege- und ein Wohnheim betreibt. «Wir sind bedacht, frühzeitig und gemeinsam nach Lösungen zu suchen und die Übertritte im Interesse der Klientinnen und Klienten zu gestalten.»

Im Wohnhaus Horw leben 95 Menschen mit einer Beeinträchtigung. «Das ist eine grosse Herausforderung und mit komplexen Fragestellungen verbunden, was eine gute Vernetzung erfordert», erklärt Judith Schilling, die das Wohnhaus Horw seit 17 Jahren leitet. «Unsere Klientinnen und Klienten können sagen, wo sie arbeiten und wohnen wollen. Wir helfen ihnen, geeignete Orte zu finden.» Schilling schildert den
Fall einer jungen Frau im Rollstuhl, für die Traversa idealer wäre. Traversa ist ein Netzwerk für Menschen mit einer psychischen Erkrankung – aber nicht  rollstuhlgängig. Die Wohngemeinschaften im Wohnhaus Horw sind es und öffneten der jungen Frau die Tür. «Unter den Partnern herrscht keine Konkurrenz, sondern wir wollen uns ergänzen.» Die Übergänge werden von Judith Schilling und ihrem Team eng begleitet. Klientinnen und Klienten, Eltern oder Beistände werden eingebunden.
Vor einem Wechsel gibt es immer eine Schnupperzeit. «Das hat sich bewährt. Beim Probewohnen zeigt sich, ob eine neue Person in die Wohngemeinschaft passt. Jemand mit einer paranoiden Schizophrenie beispielsweise kann die Dynamik in einer Wohngemeinschaft stark verändern.»

Im Bereich Wohnen arbeitet die Stiftung Brändi auch mit der Stiftung Contenti oder der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL zusammen. Die lokale Vernetzung geht aber weit darüber hinaus und greift tief in das gesellschaftliche Leben.  Menschen mit einer Beeinträchtigung wirken in Sportvereinen oder Guggenmusigen mit. «Lokale Vernetzung hat einen Effekt auf die Integration und schafft in einer Nachbarschaft oder in einer Gemeinde viel Goodwill und Verständnis für Menschen mit einer Beeinträchtigung», ist David Muff überzeugt. «Wenn unsere Bewohnerinnen und Bewohner alleine einkaufen, werden sie rücksichtsvoll behandelt. Wenn jemand stürzt, wird geholfen. Man unterstützt einander, man vertraut sich. Denn man lebt Tür an Tür.»

Von Manuel Huber, Bild: Fotosolar