Im Kochkurs hats gefunkt

 
 
 

Er verlor keine Zeit zu fragen, sie sagte sofort Ja. Seit zehn Jahren gehen Silvia Brügger (58) und Hans Vonwil (60) gemeinsam durchs Leben und zeigen das offen. Hier verraten sie, welche Worte in ihre Ringe eingraviert sind und was der Schlüssel für ihre harmonische Beziehung ist.

 
 

Ihr kommt strahlend zum Gespräch. Seid ihr noch immer so verliebt wie am ersten Tag?
Hans: Jaja, das sind wir. Meine Silvia gebe ich nicht mehr her. Silvia: Das musst du auch nicht (lacht).

Ihr tragt Freundschaftsringe. Verratet ihr, was eingraviert ist?
Silvia: Bei mir sollte Hans stehen (streift den Ring ab).
Hans: Ich muss nachschauen (streift den Ring ebenfalls ab). Bei mir steht Silvia. Und bei dir?
Silvia: Bei mir steht nichts mehr. Siehst du etwas? (gibt Hans den Ring)
Hans: Ein H erkennt man noch, der Rest ist weg. Da stand sicher Hans (lacht).

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Silvia: Bei einem Kochkurs von Pro Infirmis. Danach hatten wir uns aus den Augen verloren. Ich wusste aber, dass Hans im AWB Sursee arbeitet. Als ich zum Brändi nach Sursee kam, suchte ich ihn, erkannte ihn aber nicht.
Hans: Weil ich den Bart abgeschnitten hatte. Ich erkannte sie sofort. Als ich sie ansprach, war sie ganz verwirrt.

Wann hat es gefunkt?
Silvia: Bei mir sofort. Schon im Kochkurs. Bei Hans dauerte es etwas länger.
Hans: Aber nicht sehr lange. Und dann war ich ja sehr schnell.

Was heisst das?
Hans: Nur wenige Tage nach dem Arbeitsstart von Silvia im AWB Sursee fragte ich sie auf dem Balkon: Willst du meine Freundin sein?
Silvia: Ich sagte sofort Ja. Das war ein sehr schöner Moment.

Noch fast interessanter ist: Weshalb hat es gefunkt?
Silvia: Bereits im Kochkurs hat mir seine Ausstrahlung und seine aufgestellte Art gefallen. Hans kann mich sehr gut beruhigen, aber auch aufbauen und Energie geben.

In welchen Momenten waren Sie froh um seine Unterstützung?
Silvia: Beispielsweise beim Tod meiner Eltern. Das hat mich beide Male sehr belastet. Hans gab mir in dieser Zeit Halt und hat mir Trost gespendet. Vor allem hat er zu mir gehalten. Ich hoffte sehr, dass er mich nicht verlässt, als es mir nicht gut ging. Hans: Das hätte ich nie gemacht. Sie fragte mich ab und zu: Du bleibst doch bei mir, oder? Klar, sagte ich. Wir halten in guten und in schlechten Zeiten zusammen.

Wobei unterstützt ihr euch noch?
Silvia: Eigentlich überall im Leben. Wir sind einfach füreinander da.
Hans: Wir machen auch im Haushalt alles zusammen, also einkaufen, kochen, putzen. Ich bin kein Pascha.
Silvia: Ich helfe Hans auch beim Lesen. Es kann ja nicht jeder alles.

 

 
 

Wie hat die Liebe euer Leben verändert?
Silvia: Es ist schön, jemanden im Alltag und für die Ferien zu haben. Wir machen viel zusammen, gehen spazieren, hören Musik und plaudern.
Hans: Seit fünf Jahren wohnen wir auch zusammen. Im Haus von Silvias Schwester Pia in Egolzwil haben wir eine eigene 3-Zimmer-Wohnung.
Silvia: Wir haben die beste Aussicht.
Hans: Ja, denn man sieht auch viele Heissluftballons.

Ihr wohnt zusammen und arbeitet am selben Ort. Wie ist das für euch?
Hans: Das geht super. Wir arbeiten ja in unterschiedlichen Bereichen und sind nicht immer zusammen. Ich arbeite in der Abpackerei, Silvia in der Wäscherei.

Und in der Freizeit?
Hans: Ich bin ein grosser FCL-Fan. Immer noch.
Silvia: Er hat sogar ein FCL-Leibchen.
Hans: Mit der Nummer 10. Silvia wollte es mal wegwerfen. Das sagte ich: Das gebe ich nicht her!
Silvia: Mir ist Musik lieber als Fussball. Ich bin ein grosser Fan der deutschen Musikgruppe Amigos, die volkstümlichen Schlager machen.

 

Zeigt ihr eure Liebe offen bei der Arbeit und im Leben?
Hans: Ja, wir zeigen es. Alle wissen, dass wir zusammen sind. Unsere Freundschaftsringe sind übrigens echt.
Silvia: Wir wollten Ringe aus echtem Gold und haben dafür gespart.

Ihr wirkt sehr aufgestellt und fröhlich. Könnt ihr auch mal streiten?
Hans: Das haben wir auch schon. Kommt aber sehr selten vor.
Silvia: Den grössten Krach hatten wir im dümmsten Moment. Wir waren bei der Arbeit, es hat uns beide «verjagt» und wir sind laut geworden. Genau in diesem Moment kam meine Chefin.
Hans: Wir waren beide müde und haben uns danach gegenseitig entschuldigt. Ich weiss nicht mal mehr, weshalb wir laut geworden sind.
Silvia: Das hat es lange nicht mehr gegeben. Ist auch nicht nötig. Wir wollen es schön haben zusammen.

Was ist das Erfolgsrezept für eure harmonische Beziehung?
Silvia: Wir helfen einander und haben gleichzeitig gute Unterstützung von meiner Schwester Pia, von Hans’ Cousin Sepp und von unseren Chefs.
Hans: Und wir sprechen viel miteinander. Beispielsweise, wie der Tag gelaufen ist oder was uns beschäftigt. Gell, Silvia?
Silvia: Ja, das tun wir. Offen miteinander sprechen ist das Wichtigste.

Interview von Manuel Huber, Bilder: Fotosolar