Schlanker heisst selbstständiger

 
 
 

Wo verschwenden wir unnötig Zeit, Material und Weg? Und was können wir ändern, damit die Mitarbeitenden selbstständiger wirken können? Diese Fragen offenbarten viel Potenzial und führen bei der Stiftung Brändi zu einer neuen Haltung.

 
 

Lean Management ist überall. Immer mehr Unternehmen orientieren sich an diesem Prinzip. Lean heisst schlank. Im Grundsatz sollen bei Lean mit Denkprinzipien und Methoden alle Prozesse schlanker und Verschwendung vermieden werden. Also Fokus auf das Wesentliche. Keine Zeit für Unnötiges aufwenden. Aktivitäten aufeinander abstimmen. Überflüssige Tätigkeiten und Wege eliminieren. Und damit insgesamt die Prozesse besser strukturieren. Einfacher gesagt als getan. Doch die Stiftung Brändi hat diese Herausforderung angenommen und beschäftigt sich mit externer Unterstützung seit rund drei Jahren mit Lean Management.

Die Hauptmotivation für das Hinterfragen von Abläufen hat zwei Gründe, sagt Thomas Menz, Leiter Bereich Arbeit und Berufliche Integration: «Wir wollen damit einerseits erreichen, dass das Personal mehr Zeit für ihre Kernaufgabe hat, sprich das Betreuen der Menschen mit einer Beeinträchtigung. Andererseits sollen die Mitarbeitenden noch selbstständiger arbeiten können.» Es wurden drei Leuchtturmprojekte bestimmt und deren Abläufe analysiert. Eines davon ist die Fertigung der Leister-Werkzeugkisten in der Schreinerei im AWB Kriens. Neben zahlreichen anderen Produkten entstehen hier pro Jahr rund 2500 der grünen Leister-Kisten. Massivholz und Platten zuschneiden, lackieren, Beschläge montieren und vieles mehr. Das geht nur mit einer sauber gehobelten Organisation.

Pius Koch ist Leiter der Schreinerei und ging das Projekt mit viel Elan an. Zu seiner Freude zogen alle mit. «Das ganze Team steht dahinter. Das war wichtig und gelang, weil alle miteinbezogen waren und selber gemessen und gezählt haben.» Sie gingen Fragen nach wie: Wie viele Schritte liegen zwischen Arbeitsprozessen? Wie viel Fläche steht zur Verfügung? Wie lange benötigen wir, um Arbeitsplätze einzurichten? Daraus resultierte eine Bestandsaufnahme mit Fakten, die zu ersten Anpassungen führten. «Es wurde allen schnell klar, dass man etwas verbessern kann.» Ein Augenmerk galt dem Einrichten von Arbeitsplätzen, sagt Koch: «Mitarbeitende können heute ihren Arbeitsplatz nach Plan effizient einrichten und selbstständiger arbeiten.» Schreinerei-Mitarbeiter Stefan Inäbnet bestätigt das: «Durch das Anpassen der Arbeitsplätze haben sich die Abläufe vereinfacht.»

Gleichzeitig sorgen einfache Hilfsmittel für mehr Selbstständigkeit. Bei den CNC-Maschinen beispielsweise helfen Leuchtdioden beim Einrichten der Sockel, um das Werkstück aufzuspannen. Ein weiterer Hebel sind die Losgrössen. «Wenn weniger Stückzahlen aufs Mal gefertigt werden, ist das effizienter. Bei grossen Stückzahlen steht das Material länger still und versperrt den Weg», erklärt Koch. Auch in der Oberflächenbearbeitung wurden bestehende Abläufe hinterfragt. Mitarbeiter Erwin Schmid: «Wir haben uns neu organisiert und können Aufträge jetzt gemeinsam effizienter abwickeln.» Die Ideen der Mitarbeitenden waren und sind in diesem Change-Prozess immer willkommen. «Mir gefällt, wie sie beobachten und mitdenken», betont Pius Koch. «Wenn sie etwas überflüssig finden, kommen sie zu mir und sagen: Das ist aber gar nicht Lean.»

Diese Erfahrung machte auch Thomas Menz: «Beim Start von Lean hiess es: Wieso sollen wir etwas ändern, wir haben doch bis jetzt gut gearbeitet. Später im Prozess erkannte man das Potenzial. Und heute kann man gar nicht mehr anders und fragt sich ständig: Können wir das noch besser machen?» Diese Entwicklung gefällt ihm, weil Lean mehr als nur eine Prozessoptimierung ist. «Lean ist eine Denkhaltung. Bereits bei den Pilotprojekten wurde klar, dass Lean einen Einfluss auf die Arbeitskultur hat», so Menz. «Dass dabei auch die Produktivität gesteigert werden kann, ist eine schöne Nebenerscheinung, die uns konkurrenzfähig hält.» Innerhalb der Stiftung Brändi wurden nun Kompetenzorte geschaffen, an denen andere Bereiche sehen, wie Lean umgesetzt werden kann. «Wir lernen voneinander und verbessern gleichzeitig unsere Zusammenarbeit.» Wer nicht dieselben Fehler macht, spart Zeit. Auch das ist Lean. <

Text: Manuel Huber, Bilder: Fotosolar

 

 
 

Mehr Zeit für den Kernauftrag
Die Stiftung Brändi hat sich zum Ziel gesetzt, Lean Management als stiftungsweite Denkhaltung zu etablieren und so mehr Zeit für ihren Kernauftrag, die Begleitung ihrer Mitarbeitenden, zu gewinnen. Lean Management bedeutet «Werte ohne Verschwendung schaffen». Ziel ist es, alle Aktivitäten, die für die Wertschöpfung notwendig sind, optimal aufeinander abzustimmen und überflüssige Tätigkeiten, mit anderen Worten «Verschwendung», zu vermeiden.