Abschied mit Wehmut und Stolz

Interview mit Pirmin Willi, Direktor der Stiftung Brändi

Pirmin Willi wird im nächsten Jahr als Direktor der Stiftung Brändi verab­schiedet. Die operative Leitung übergibt er mit einem guten Gefühl, denn die Stiftung Brändi hat alles, was es für eine erfolgreiche Zukunft braucht.

Interview von Manuel Huber

 
 
 

 
 
 

Manuel Huber: Wie gut können Sie nach 16 Jahren als Direktor der Stiftung Brändi loslassen?

Pirmin Willi: Der Gedanke des Loslassens beschäftigt mich im Moment noch wenig. Die aktuellen Herausforderungen lassen dies kaum zu. Ich werde die Stiftung Brändi erst Ende April 2020 verlassen. Bis dahin will ich mich voll und ganz für die Geschicke der Stiftung Brändi und deren Menschen einsetzen und bei der Überleitung zur neuen Verantwortlichkeit eine mittragende Rolle spielen.

Und wenn der Moment Ende April da ist?

Dann wird sicher eine gewisse Wehmut spürbar sein, vor allem aber Stolz auf die gut aufgestellte Stiftung Brändi und auf die Menschen mit Behinderung, die hier mit Leidenschaft arbeiten und ihr Leben gestalten.

Was hat Sie dazu bewogen, die Stiftung Brändi zu verlassen?

Im nächsten Jahr werde ich 64-jährig – die Pension steht also vor der Tür. Wichtig war mir, dass ich eine geordnete Übergabe der Verantwortlichkeiten ermögliche. Danach freue ich mich auf ein aktives und facettenreiches Leben im privaten Bereich.

Mit welchem Gefühl übergeben Sie die operative Leitung?

Mit einem sehr guten Gefühl. Wir haben ein solides Fundament und konnten viele Erfolge erzielen und auch feiern. Die Stiftung Brändi hat ein gutes Selbstwertgefühl. Zu Recht, denn sie erbringt starke Leistungen und bietet tragende Lösungen an. Das verdanken wir nicht zuletzt dem guten Brändi-Geist.

Wie definieren Sie den Brändi-Geist?

Das ist mir in den letzten 15 Jahren nicht gelungen (lacht). Ich würde aber sagen: Was den Brändi-Geist ausmacht, ist der gegenseitige respektvolle Umgang, das Erbringen von Lösungen und das Feiern von Erfolgen, wenn etwas gelungen ist.

In welchem Umfeld bewegt sich die Stiftung Brändi heute?

Die Gesellschaft ist im Wandel. Damit haben sich auch die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung verändert. Dem wollen wir Rechnung tragen. Das politische Umfeld wird von zwei Entwicklungen bestimmt. Einerseits von einer gewissen Entsolidarisierung, einem teilweise undifferenzierten Umgang mit Minderheiten und Benachteiligten. Andererseits von den Sozialkosten und den kantonalen Sparpaketen. Das wirtschaftliche Umfeld ist geprägt von Unsicherheiten auf dem Finanz- und Wirtschaftsmarkt, Termin- und Preisdruck und veränderten Produktions- und Marktbedingungen.

 
 

Welches sind die grössten Herausforderungen in diesen Bereichen?

Es sind dies die Sparpolitik des Kantons und die Abhängigkeit von politischen Entscheiden. Aktuell läuft die Revision des Gesetzes über soziale Einrichtungen SEG. Aus unserer Sicht werden hier anstelle von tragfähigen und pragmatischen Lösungen ausgeklügelte Systeme implementiert und der unternehmerische Freiraum der Institutionen weiter eingeschränkt. Für die eigentlichen Kernleistungen bleibt immer weniger Zeit.

Und in den anderen Bereichen?

Die Anforderungen an die Betreuung, Begleitung und Ausbildung von Menschen mit Behinderung haben zugenommen, die Betreuungsverhältnisse wurden komplexer. Eine weitere Herausforderung ist die Auftragsbeschaffung im Wirtschaftsmarkt. Wir sind auf eine gute Auslastung angewiesen. Einerseits um unsere Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten, andererseits um Menschen mit Behinderung ein förderliches Arbeits- und Lernumfeld zu ermöglichen.

Was hat sich in den letzten 15 Jahren vor allem verändert?

Da denke ich spontan an: schneller, weiter, höher. Das ist ein allgegenwärtiges Motto und Verhalten in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Auch die Stiftung Brändi ist davon betroffen. Beispiele sind die Digitalisierung und der erhöhte administrative Aufwand. Wir spüren auch die Tendenz, dass in der Politik in Systeme statt in die Lebensqualität von Menschen investiert wird.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Indem wir proaktiv handeln und agil sind. Wir haben beispielsweise unsere Dienstleistungen flexibilisiert. Das heisst, dass wir Leistungen direkt bei unseren Kunden erbringen und nicht für jede Dienstleistung eine neue Werkstatt bauen. Auch das Wohnangebot haben wir flexibler gestaltet und wir fördern den Berufsbildungsbereich.

Wie kann die Stiftung Brändi erfolgreich bleiben?

Ich bin überzeugt: We’ve got what it takes – wir haben das Zeug dazu. Die Stiftung Brändi hat alles, um weiterhin erfolgreich zu sein. Dazu gehört nicht zuletzt der gute Brändi-Geist.

Bild: Fotosolar

Hier geht's zur gesamten Ausgabe des Magazins klar 02/2019

 
 
 

 

Seit mehr als 11 Jahren darf ich mit Pirmin Willi zusammenarbeiten. Nach 15 Jahren in der Funktion des operativen Leiters der Stiftung Brändi tritt er auf den 30.4.2020 zurück. Die Zusammenarbeit mit Pirmin Willi bereitet mir viel Freude und ist für mich bereichernd und heraufordernd zugleich. Er stellt hohe Anforderungen an sich und sein Umfeld. Mit seiner ausgeprägten Sozial- und Fachkompetenz hat er ein feines Gespür für die strategisch oder operativ wichtigen Themen und für das Machbare im Umfeld von Politik und Gesellschaft. Er hat ein spezielles Flair, sein Umfeld für ein gemeinsames Ziel zu motivieren. Pirmin Willi geht positiv auf die Menschen zu und hat die natürliche Fähigkeit, auch heikle Themen offen und fair anzusprechen, was mir meine Arbeit als Präsident sehr erleichtert hat.

Mit Freude darf ich feststellen, dass die Stiftung Brändi im Kanton Luzern und darüber hinaus einen ausgezeichneten Ruf geniesst und als Musterbeispiel für die Führung einer grossen Organisation für Menschen mit Behinderung angesehen wird. Pirmin Willi hat es ausgezeichnet verstanden, die Stiftung Brändi gut zu positionieren und bei der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz und Wertschätzung zu erlangen.

Unter seiner Führung konnten die Umsätze und die Wertschöpfung in den Werkstätten deutlich verbessert und die Wohnangebote flexibilisiert werden, was zu einer massgeblichen Entlastung des Kantons Luzern geführt hat. Für die Stiftung Brändi ist der wirtschaftliche Erfolg wichtig, aber nicht zentral. Für Pirmin Willi war es immer das oberste Ziel, für die Menschen mit Behinderung bei der Arbeit und den Wohnunternehmen ein positives Umfeld zu schaffen.

Bei meinem jährlichen Rundgang in der Stiftung Brändi war ich immer wieder beeindruckt, wie zufrieden und glücklich die Menschen mit Behinderung sind und sich keinen besseren Wohn- und Arbeitsplatz vorstellen könnten. Dazu hat Pirmin Willi in den letzten Jahren sehr viel beigetragen, wofür ihm ein herzlicher Dank gebührt.

Von Otto Wyss, Präsident