Bessere Integration durch Coaching

 
 
 

Menschen mit Beeinträchtigung haben das Recht auf eine freie Wahl des Arbeitsangebots. Wer im allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten will, wird künftig noch besser darauf vorbereitet. Möglich macht dies ein neues Angebot der Stiftung Brändi. Was dahinter steckt, erklärt Carlo Piani, Leiter Berufliche Integration.

 

 
 

Wie sieht das heutige Angebot der Stiftung Brändi im Bereich Arbeit aus?
Insgesamt stehen 1100 Arbeits- und Ausbildungsplätze zur Verfügung. In den produzierenden Unternehmen sind rund 300 Lernende in Ausbildung und Abklärung. Wir bieten Berufslehren in 14 Branchen an.

Und im Rahmen der ambulanten Angebote?
Hier verfügen wir mit Supported Education seit mehr als zehn Jahren über eine Ausbildungsbegleitung im allgemeinen Arbeitsmarkt. Unsere Jobcoachs begleiten jährlich über 70 Lernende. Tendenz steigend. Weiter vermitteln wir seit Jahrzehnten erfolgreich Mitarbeitende aus dem stationären Bereich an Betriebe im allgemeinen Arbeitsmarkt.

Wie zeitgemäss sind diese Angebote noch?
Die Angebote sind nach wie vor zeitgemäss und entsprechen einem Bedürfnis vieler unserer Mitarbeitenden. Sie wissen, was sie erwartet, etwa in Bezug auf Arbeit und Strukturen, und es verleiht ihnen ein Gefühl der Sicherheit. Für einen sehr grossen Teil der Mitarbeitenden sind wir auch künftig der richtige Arbeitgeber.

Wohin geht der Trend?
Im Bereich der Beruflichen Massnahmen wird seit längerem daraufhin gearbeitet, dass die betroffenen Personen eine Anstellung im allgemeinen Arbeitsmarkt finden und erhalten.

Wie reagiert die Stiftung Brändi auf die Entwicklung?
Im stationären Bereich setzen wir uns seit Jahren dafür ein, dass Mitarbeitende im Personalverleih im allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können oder eine feste Anstellung erhalten. Aufgrund der grossen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den IV-Stellen und den vielseitigen Angeboten der Beruflichen Massnahmen haben wir für die Mitarbeitenden im stationären Bereich Angebote adaptiert und beim Kanton als ambulantes Angebot eingereicht. Mit dem neuen Angebot «Integrationscoaching» wollen wir eine berufliche und persönliche Qualifizierung der teilnehmenden Personen im Hinblick auf eine passende Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt erreichen.

Weshalb ist es wichtig, dass die Stiftung Brändi dieser Entwicklung Rechnung trägt?
Mit der Ratifizierung der UNO-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) durch die Schweiz wurde für Menschen mit Beeinträchtigung unter anderem das Recht auf eine freie Wahl des Arbeitsangebotes, im Sinne von Arbeitsplätzen im geschützten oder im allgemeinen Arbeitsmarkt, und das Recht auf lebenslange Weiterbildung verankert. Die Stiftung Brändi will unter anderem mit diesem Angebot ihren Beitrag zur Umsetzung der UN-BRK leisten.

Wie soll das künftige ambulante Angebot aussehen?
Das Angebot wird jeweils individuell auf die Person und deren Möglichkeiten ausgerichtet. Dazu gehören Inhalte wie Aufbau von entsprechenden Qualifikationen und Bewerbungscoaching.

 


Wie werden die neuen Angebote definiert?
Wir haben uns im Arbeitsbereich bewusst auf das Integrationscoaching fokussiert, weil wir hier auf eine grosse und langjährige Erfahrung zurückgreifen können. Weiter wollen wir mit einer ausgewählten Zielgruppe arbeiten, bei der wir eine Chance sehen, dass sie nachhaltig im allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden kann.

Was braucht es zum Gelingen?
Wir packen unser jahrelanges Wirken in ein offizielles Konzept und zeigen, was wir schon lange machen. Weiter braucht es von allen Beteiligten Geduld, Verständnis und Pioniergeist, damit das neue Angebot greift, angepasst und positioniert werden kann. Hier sind alle Beteiligten gefragt. Zu guter Letzt muss der Wille und die Eigeninitiative der Betroffenen, sich im allgemeinen Arbeitsmarkt zu profilieren, vorhanden sein.

Wo steht der Prozess?
Das neue Angebot wird vorerst im AWB Neubrugg in Sursee und AWB Littau in Luzern aufgebaut und eingeführt. Die Vorbereitungsarbeiten sind weit fortgeschritten. Ab Oktober 2022 sind an diesen Standorten die Voraussetzungen geschaffen, damit die Fachleistung «Integrationscoaching» gestartet werden kann. Wir freuen uns, dass wir mit der Umsetzung beginnen konnten und hoffen auf viele interessierte Mitarbeitende. <

Interview von Manuel Huber, Illustration: Raise Your Flag