Neustart unter einem Dach

 
 
 

Die Berufsschule der Stiftung Brändi begleitet jährlich über 200 junge Erwachsene mit Beeinträchtigung ins Berufsleben. Der digitale Alltag und die Erfahrungen vom Fernunterricht während der Corona-Pandemie prägen
das zukünftige Lehren und Lernen an der Berufsschule. Dazu unterstützen auch die neuen Räumlichkeiten der Berufsschule einen modernen und auf Lernende individuell angepassten Unterricht.

 
 

Als im Frühling die Berufsschule wegen der Corona-Pandemie gezwungen war, ihr Programm auf Fernunterricht umzustellen, gab es für die einzelnen Schulgefässe ganz unterschiedliche Lösungsansätze. Neben vereinzelt telefonischem Unterricht für die Lernenden im PrA-Grundangebot und dem Postversand von  Unterrichtsmaterialien stand der digitale Fernunterricht im Zentrum der Bemühungen des Lehrerteams. Rückblickend kann dieser digitale Fernunterricht als erfolgreich betrachtet werden, da es mehrheitlich positive Rückmeldungen von Seiten der  Lehrpersonen und der Lernenden gab.

«Bei gewissen Lernenden haben wir Stärken und Ressourcen wahrgenommen, die wir vorher nicht kannten, weil sie in einer anderen Umgebung lernten», sagt der Leiter der Berufsschule, Bart de Mul. Sie  schafften sich somit ein günstiges Lernumfeld, was sich förderlich auf den  Lernprozess auswirkte. Natürlich sind nicht alle Lernschwierigkeiten so einfach zu verbessern oder gar zu beseitigen, dennoch bieten die neuen Räumlichkeiten mehr Möglichkeiten, die Lernenden individuell zu unterstützen.

Die vier neuen  Klassenzimmer für je acht Lernende sind mit modernster Technik ausgerüstet. An der Wand hängt ein Whiteboard, und der riesige Touchscreen kann vom Pult der Lehrperson direkt angesteuert werden und Inhalte vom Laptop oder Visualizer projizieren. Der Touchscreen ist zudem mit einer Kamera ausgerüstet. «So können wir über den Bildschirm Klassen miteinander verbinden oder Fernunterricht abhalten», erklärt Bart de Mul. Es wurden höhenverstellbare Pulte angeschafft, ebenso Stühle auf Rollen mit hoher Beweglichkeit, was beruhigend wirkt. Auch für die 21 Lehrpersonen und Klassenassistent/innen entstand ein neuer Raum mit flexiblen Arbeitsplätzen.

Genauso wichtig wie die neue «Hardware» ist auch die Software. In diesem Bereich hatte sich die Berufsschule bereits im letzten Jahr neu organisiert und war auf Office 365 umgestiegen. «Während des Lockdowns war das ein grosser Vorteil. Wir konnten in einzelnen Schulangeboten innert einer Woche auf Fernunterricht umstellen.» Bart de Mul spricht vom Lockdown als eine Art Entwicklungschance für die Berufsschule,
auch aus konzeptioneller Sicht. «Wir haben beispielsweise in der Vorlehre den Stundenplan mit einzelnen Fächern aufgebrochen und auf Projektunterricht umgestellt. Dabei fliessen Fächer wie Deutsch und Mathematik ineinander, während die Lernenden gleichzeitig weitere Lern- und Sozialkompetenzen aufbauen. Sie lernen dabei nicht nur für die Schule, sondern auch für ihren zukünftigen Beruf und für ihr Leben. «In diese Richtung wollen wir weitergehen und das Schulkonzept so umstellen, damit wir mehr Kompetenzen abdecken», erklärt Bart de Mul. Ein Schwerpunkt für alle Lernenden bildet die Medienkompetenz und spezifisch der Umgang mit dem Smartphone.

Das Fazit von Bart de Mul: «Wir sind sehr dankbar für die neue Hülle und mehr  Fläche. Endlich können alle Lernenden der Berufsschule Stiftung Brändi unter einem Dach unterrichtet werden. Aber das alleine macht unsere Berufsschule nicht aus. Jetzt können wir mit neuen Technologien und den Erkenntnissen der Corona-Zeit den Unterricht weiterentwickeln, damit unsere Lernenden ihr Potenzial noch besser abrufen können. Der wichtigste Erfolgsfaktor für erfolgreiches Lernen ist nach wie vor aber die wertschätzende und professionelle Lernbeziehung zwischen allen Beteiligten im Schulzimmer, damit auch in den neuen Räumlichkeiten der Berufsschule eine positive Lernatmosphäre entstehen kann.»


Von Manuel Huber, Bilder: Fotosolar

 

 
 

Die hauseigene Berufsschule

Für junge Menschen mit einer Beeinträchtigung
bietet die Stiftung Brändi eine hauseigene Berufsschule an. Aufgrund der steigenden Zahl an Lernenden wurde das bestehende Gebäude in Kriens aufgestockt, was die kostengünstigste Variante war. Die vier neuen Schulzimmer, die zwei Förderzimmer und das Zimmer der Lehrpersonen sind barrierefrei, ergonomisch eingerichtet und auf dem neusten Stand der Technik. Die Bauarbeiten starteten im Herbst 2019. Die Kosten betrugen 2,50 Mio. Franken und werden durch  zweckgebundene Spenden sowie die ordentliche Leistungsabgeltung der WAS-IV Luzern finanziert.